Verein »Verkehrswende Cloppenburg-Emsland« e.V.

27.02.2005: 10 Kernargumente gegen die Autobahn B213


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  1. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Autobahn B213 ist extrem ungünstig. Dieser Verkehrsweg ist als Transit-Strecke zwischen den niederländischen Ballungsräumen und den Wirtschaftszentren Bremen/Hamburg und Skandinavien zu sehen und hat dabei den geringsten regionalen wirtschaftsfördernden Effekt. Wegen dieser enormen Ineffizienz und in Anbetracht des mit bis zu 40 Mrd. EUR hoffnungslos unterfinanzierten Bundesverkehrswegeplans 2003–2015 ist die weitere planerische Untersuchung nicht zu rechtfertigen.
  2. Der Bundesverkehrswegeplan gebietet vordringlich das Vermeiden neuer Straßen und nachhaltiges Planen. Da schon allein die Rückfinanzierung der bislang mit ca. 7 Mio. EUR angesetzten Planungskosten durch den Bund nicht gewährleistet ist und eine Realisierung der Strecke aufgrund der Finanzmisere in Bund und Land nicht abzusehen ist, sind schon die Planungskosten nicht nachhaltig investiert, sondern in den Sand gesetzte Steuergelder aller Bürgerinnen und Bürger.
  3. Der von einigen Lokalpolitikern und Verbänden propagierte wirtschaftliche Nutzen für die Region durch die Autobahn B213 ist sachlich nicht fundiert. Es gibt keine Studien, die eine wirtschaftliche Entwicklung durch Autobahnen in ländlichen Regionen nachweisen. Vielmehr ist genau das Gegenteil der Fall. Ortsansässige Betriebe werden durch steigenden Konkurrenzdruck geschwächt. Arbeitsplätze können bedroht sein. Neuansiedlungen von Industrie und Gewerbebetrieben sind durch die Autobahn B213 nicht zu erwarten.
  4. Die Autobahn B213 zerschneidet einzigartige Landschaften von hohem ökologischem Wert. Die Autobahn wird auf ca. 61 km Länge auf vorhandenen Trassen sowie Neubaustrecken verlaufen, die auf bisher naturnahen Gebieten erhebliche Flächen versiegeln werden. Diese Flächen gelten als "schützenswerte unzerschnittene Räume" (Bewertungskriterium im Bundesverkehrswegeplan) und werden durch den Ausbau unwiderruflich zerstört.
  5. Die "wirksame Verkehrsentlastung der anliegenden Gemeinden und Erschließung von Industrie und Gewerbegebieten" als ein wesentliches Planungsziel für den Bau der Autobahn B213 wird nicht erreicht. Entlastungseffekt und Wirtschaftsvorteil sind so minimal, dass die immensen Baukosten von mindestens 235 Mio. EUR nicht gerechtfertigt sind. Die Trassierung ist für jeden Privatinvestor absolut uninteressant.
  6. Durch die Verbindung als Autobahn B213 von Meppen (A31) nach Cloppenburg (B68) kommt es zu unzumutbaren Mehrbelastungen durch erhöhtes Verkehrsaufkommen und Umwege für die Anwohner und Nutzer der angrenzenden Gemeinde-, Kreis- und Landesstraßen. Gewachsene Siedlungs-strukturen und Netzwerke (gemeinsame Kindergarten- und Schulnutzung mehrerer Dörfer, etc.) werden zerrissen.
  7. Eine durch Landwirtschaft geprägte Kulturlandschaft wird zerstört: Wertvolle landwirtschaftliche Flächen (ca. 400 ha) gehen verloren, landwirtschaftliche Betriebe werden vernichtet und eine zukunftsorientierte Entwicklung ist den wenigen verbleibenden Betrieben nicht mehr möglich. Etwa 50 Tier- und Pflanzenarten, die durch die "Rote Liste" als hoch schützenswert eingestuft sind, leben in der Region Erholungsgebiet Hasetal. Durch den Autobahnbau ist ihr Lebensraum bzw. Rückzugsgebiet stark gefährdet.
  8. Die Autobahn B213 verliefe in einem verkehrlich wenig belasteten Gebiet. Durch den Transitverkehr der Autobahn und den im erheblichen Umfang entstehenden zusätzlichen Verkehr verliert die Region ihre wesentliche Qualität: die Möglichkeit des ruhigen, naturnahen Lebens mit guter Straßenanbindung. Der sich erfolgreich entwickelnde "sanfte Tourismus" im Erholungsgebiet Hasetal würde seiner Basis beraubt: der unzerstörten, ländlich geprägten Naturlandschaft.
  9. Durch die dramatische Zunahme der Schmutz- und Lärmemissionen in einem bisher nur gering belasteten Gebiet wird eine massive Gesundheitsgefährdung erwartet. Die Einzigartigkeit der Region als Lebens-, Wohn und Erholungsgebiet wird zerstört. Ein wirksamer Lärmschutz ist rechtlich und faktisch unmöglich.
  10. Die Fahrtzeiten für die Anwohner oder Arbeitnehmer aus den angrenzenden Gemeinden werden sich nicht nennenswert verkürzen. Durch die Reduzierung der Auffahrten und langwierige Fahrt über die Autobahn wird sich die Fahrtzeit sogar verlängern. Bei einer teilweisen Privatfinanzierung mit Mautstationen würden enorme Gebühren entstehen und die heimische Wirtschaft erheblich belasten.